8. September 2019
Hochfest der Geburt der Seligen Jungfrau Maria
Evangelium: Matthäus, Kap 1, Vv. 18-23
Homilie des Pontifex Samuel
Wir, die Kinder Marias,
wollen ihre Tugenden verkörpern
Wir erleben heute diesen Festtag, der uns die Möglichkeit gibt, erneut Maria, das Geheimnis Marias, zu betrachten. Und für uns ist dies ein Grund zu großer Freude, denn diese Kirche ist Maria zutiefst ergeben. Wir alle sind ihre Kinder und bezeichnen uns mit Stolz als Kinder Marias, Kinder dieser Mutter. Und wir wollen die Verehrung Marias, dieser guten und zärtlichen Mutter, überallhin tragen, damit die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens, ihres makellosen Herzens wieder zum Mittelpunkt für alle wird, die sich Christen, Kinder Christi, nennen.
Man kann nicht sagen, dass man Christus liebt, wenn man Maria nicht zutiefst liebt. Und so, wenn man Maria liebt, dann liebt man Christus. Es besteht eine untrennbare Verbindung zwischen Christus und Maria, zwischen Maria und Christus.
Auch das heute verkündete Evangelium (Mt 1,18-23) spricht von der Geburt Christi. Das Evangelium sagt nichts über die Geburt Marias. Darüber ist nichts geschrieben. Und so meditieren wir über die Geburt Christi, um zu dem Moment zurückkehren zu können – und darüber zu meditieren –, in dem dieses Geschöpf, dieses Mädchen zur Welt kam. Ohne uns jetzt mit dem genauen Zeitpunkt zu beschäftigen, an dem dies geschah, wollen wir uns auf das Wesen und den Inhalt dessen konzentrieren, was jener Moment, jener Augenblick, darstellt, den wir leben und aktualisieren wollen, um das schönste Werk des Schöpfers zu betrachten: Maria, das schönste Werk, das Meisterwerk Gottes.
Darüber wollen wir heute meditieren. Und wir wollen darüber meditieren, um so weit wie möglich alles zu aktualisieren, was Maria für das Christentum und für uns, ihre Kinder, darstellt, damit jeder von uns immer mehr dazu angeregt und motiviert wird, ihre Tugenden nachzuahmen, um alles, was Maria getan hat, alles, was Maria für die Heilsgeschichte darstellt, in die Praxis umzusetzen. Christus und Maria, Maria und Christus: Christus der Erlöser, Maria die Miterlöserin (Lk 2,34-35).
Maria ist Teil der Heilsgeschichte. Der Vater hat sie zur Königin des Himmels und der Erde gekrönt, und wir wissen, dass Maria mit dem Sohn, durch den Sohn und im Sohn rettet. Maria, vor aller Zeit empfangen (Spr 8,23-30), seit jeher vom Vater gekannt und deshalb vor der Erbsünde, vor jedem Makel der Sünde bewahrt, steht seit jeher in Beziehung zum Schöpfer. Deshalb jubelte die Schöpfung, als sie ihre Augen öffnete und ihren ersten Schrei ausstieß. Von jenem Moment an begann die Heilsgeschichte, denn durch dieses Kind, diese Frau, wird der Erlöser in diese Menschheit kommen (Lk 1,30-33; Offb 12,5) und sich bekannt machen, um alle zu Sich zu ziehen, um den Weg zu weisen, dem die Kinder Gottes folgen sollten, um direkt zum Heil zu gelangen (Lk 1,68-71).
Das ist die Vereinigung zwischen der Mutter und dem Sohn, zwischen dem Sohn und der Mutter. Eine Vereinigung, die niemals zerbrochen ist und niemals zerbrechen wird, denn der Geist Christi und der Geist Marias sind lebendig. Ein lebendiger Geist, der in der Geschichte wirkt, um in die Herzen all derer einzutreten, die Christus in seiner Ganzheit nachahmen wollen, um in die Herzen derer einzutreten, die Maria in ihrer Ganzheit nachahmen wollen.
Das Geheimnis Mariens ist ein großes Geheimnis, das der Vater uns schenken wollte, das Er sich schenken wollte. Er wollte Sich eine Mutter schenken, die Er nicht für Sich behalten wollte, sondern uns schenken wollte (Joh 19,26-27), damit Maria als universelle Mutter anerkannt werden könne, nicht nur als Königin – was sie ist –, sondern als universelle Mutter, Mutter aller Lebenden, von allem, was lebt, von allem, was ist, denn Maria ist. Und das ist es, was zählt.
Wer den Geist Mariens leben will, der komme hierher. Wer auf der Suche ist und alles über Maria, jedes Detail ihres Lebens, ihrer Existenz erforschen will, der komme hierher, in dieses Haus, wo der Geist lebt, der vom Vater und vom Sohn ausgeht, der in Maria ist; und hier wird er jede Antwort auf jede Frage finden. Und man wird nicht mehr umherirren, um zu suchen, zu erforschen; sondern hier wird man jede Antwort finden, denn an diesem Ort hat der Vater die Erfüllung Seines ganzen Plans beschlossen, der uns zum Heil führt.
Siehe, also, diese Magd, die sich selbst zur Magd machen wollte, die demütig geblieben ist. Deshalb hat der Vater, als Er die Demut ihres Herzens, die Reinheit ihres Herzens sah, sie unter allen Frauen ausgewählt (Lk 1,46-49) und hat sie so als Tochter, als Braut und als Mutter leben lassen, um sie uns als lebendiges Vorbild zu schenken, das wir nachahmen können, um sie uns dann als Königin und Miterlöserin betrachten zu lassen, damit wir verstehen, dass die Gnade alles vermag, wenn wir unser Herz weit öffnen, wenn wir klein bleiben wollen gegenüber einer Welt, die auf andere Dinge schaut. Wer sich klein machen will, wer aus Liebe zu Gott klein bleiben will, so wie Maria es getan hat, der vermag alles in Dem, der alles vermag.
Das ist das Beispiel, das diese Frau uns in ihrer Ganzheit gibt. Maria als Vorbild des Gebets und Maria als Vorbild der Brüderlichkeit. Das Gebet und die Brüderlichkeit liegen dieser Kirche sehr am Herzen. In dem Moment, in dem wir uns zum Gebet versammeln, Maria anrufen, sind wir sofort in Gemeinschaft mit dem Sohn und mit dem Vater, denn Maria öffnet uns den Weg, sie führt uns zum Herzen des Vaters. Wer Marias Hand ergreift, der hat bereits den Weg eingeschlagen, der zum Herzen des Vaters führt.
Das ist das lebendige Gebet, das aus den Herzen der Kinder Marias entspringen muss. Und wir wissen, welches das Gebet par excellence ist, das uns zu Maria führt und uns mit ihr verbindet: das Gebet des Heiligen Rosenkranzes, das wir alle jetzt mehr denn je Tag und Nacht in unseren Händen, an unserem Herzen halten müssen, um diese Waffe einsetzen zu können, die uns der Vater durch Maria in diesen harten und schwierigen Zeiten schenkt, um jede böse Kraft zu vertreiben und zu besiegen. Das mächtigste Gebet, der Heilige Rosenkranz: das Gebet, das uns zum Herzen Mariens führt, uns mit ihm vereint, damit wir uns mit dem Herzen des Sohnes und dem Herzen des Vaters vereinen können.
Jesus sagte zu Seinem Mädchen, Maria Giuseppina Norcia, die in ihrem Leben die Tugenden der Heiligen Maria verkörperte, diejenige, dank der wir noch mehr gelernt haben, die Heilige Maria zu lieben – wenn wir in ihre Augen schauen, in ihr Herz, ist es noch einfacher, die Augen Marias zu betrachten, das Herz der Heiligen Maria zu betrachten (deshalb verehren wir diese Frau, weil wir in ihr die Tugenden der Heiligen Maria hautnah erfahren haben) – nun, Jesus hat ihr offenbart: „Jedes Mal, wenn ihr den Heiligen Rosenkranz betet, seid ihr in den unbefleckten Schoß der Mutter eingetaucht, die euch Mein Bild einprägt. In diesen schwierigen Zeiten ist es notwendig, dass ihr den Rosenkranz immer in der Hand habt, Tag und Nacht, denn durch dieses Gebet übt die Mutter ihre göttliche Mutterschaft über jeden aus, das heißt, sie schafft meine göttliche Menschlichkeit in euch. Ihre Kraft kann mit der Heiligen Eucharistie verglichen werden. Sie ist eine furchtbare Waffe gegen die Mächte der Finsternis. Vereint euch im Heiligen Rosenkranz; ihr werdet wie im Paradies sein, fern von den Sorgen, den Zweifeln und den Qualen der Welt„.
In dem Moment, in dem sich diese Worte in unserem Herzen verkörpern (Joh 1,14), wird die Verehrung Mariens und des Gebets, das Maria uns hinterlassen hat, nämlich des Heiligen Rosenkranzes, immer mehr zunehmen. Diese Kirche, die zutiefst marianisch und Maria tief ergeben ist, widmet den Monat Oktober dem Heiligen Rosenkranz, aber dieses Gebet ist ein tägliches Gebet für diejenigen, die mit Maria vereint bleiben wollen, für diejenigen, die sich mit ihrem Herzen vereinen wollen. Und das sage ich allen, aber vor allem euch, liebe Jugendliche: Benutzt den Rosenkranz, tragt ihn immer bei euch und haltet ihn in schwierigen Zeiten, in Zeiten der Prüfung fest umklammert: Betet den Heiligen Rosenkranz, um euch noch mehr mit derjenigen zu vereinen, die unsere Mutter ist. Dies gilt für alle, die im Herzen jung bleiben wollen, unabhängig von ihrem anagraphischen Alter, für alle, die immer nach vorne schauen wollen und nicht zurückblicken (Dtn 30,17; Lk 9,62), weil sie denken, dass es nun nicht mehr viel zu tun gebe. Das ist nicht so, das sage ich euch allen: Lasst uns nach vorne schauen, sicher auf dem Weg, den wir gehen, sicher auf dem Ziel, das wir erreichen sollen (Offb 21,4-6).
In diesen harten und schwierigen Zeiten gilt: Je mehr wir mit dem Herzen Mariens vereint bleiben, je mehr wir im Gebet des Rosenkranzes mit ihrem Unbefleckten Herzen vereint bleiben, desto mehr werden wir die Zweifel und Sorgen vertreiben, die diese Welt uns ständig bringt. Wenn wir also das Gebet mit brüderlicher Einheit verbinden, wird jede Prüfung überwunden werden. So wird die Brüderlichkeit zusammen mit dem Gebet grundlegend, vereint mit dem Gebet, so wie Jesus es Seinem Mädchen in jener Offenbarung offenbart hat, die „Katechese“ genannt wird und über die wir nun gut nachdenken können, da sie öffentlich ist, von dieser Kirche veröffentlicht wurde. Auch hier wird von der Bedeutung Marias gesprochen. „Ein weiteres wirksames Mittel ist die Vereinigung mit den Brüdern und mit Maria„, sagt Jesus, „meine und eure Mutter, Schlüssel zum Geheimnis eures Lebens und zum Geheimnis Meines Lebens in euch„. Maria ist der Schlüssel, Maria ermöglicht es uns, jede Tür zu öffnen, die Tür des Herzens, um das Geheimnis unseres Lebens zu verstehen – das in Maria lebendig und verständlich wird – und um das Geheimnis des Lebens Jesu in jedem von uns zu verstehen (Joh 3,16). Wenn wir also über Maria meditieren, Maria betrachten, uns mit Maria vereinen, uns mit unseren Brüdern und Schwestern vereinen, dann wird alles leicht.
Als Petrus Fehler begangen hatte, ging er zu Maria, weinte bei Maria, zusammen mit seinen Brüdern. Und in Maria fand er Trost. Und in Maria fand er wieder zu sich selbst und wurde wieder zu dem Felsen (Mt 16,18), den Jesus für das entstehende Christentum bestimmt hatte. Der Vater nimmt die Berufung nicht zurück, wenn auch derjenige, der einen Fehler begeht, den Mut hat, zu bereuen (Mt 26,75; Mk 14,72; Joh 21,15-17), um Maria und die Brüder zu weinen und neu anzufangen. Das ist eine Lehre, die diese Mutter uns immer wieder schenkt, um uns in ihr Herz aufzunehmen und uns die Barmherzigkeit erfahren zu lassen, die in diesem Land lebendig ist. Land der Liebe, Land der unendlichen Barmherzigkeit Gottes, marianisches Land, vom Vater gesegnet, wie Johannes Paul II. prophetisch sagte, als er dieses Land am 16. September 2001 besuchte, als wir, Gläubigen der Kleinen Wiege des Jesuskindes hingingen und diesen Papst ehrten, der sagte: „Wahrhaftig, die Ciociaria ist ein marianisches Land“. Der Geist sprach an diesem Tag durch jenes Herz: Marianisches Land, in dem die Tugenden Mariens verkörpert sind, lebendig sind.
Und das ist es, wozu wir alle heute aufgerufen sind: ihre Tugenden zu verkörpern. Die erste Tugend: die Treue (Hebr 3,2; Offb 3,14; 19,11). So wie Maria ihrem Herrn immer treu war, sind auch wir aufgerufen, Gott, dem Dreifaltigen Gott, treu zu sein, ohne uns von denen irreführen zu lassen, die uns heute dazu bringen wollen, das Christentum mit anderen Religionen oder religiösen Philosophien gleichzusetzen, die nicht mit dem Herzen des Vaters in Gemeinschaft stehen. Das ist die subtile Täuschung, die so viele zu Fall bringt, denn in einem anderen Haus sagt man jetzt, dass wir alle gleichermaßen „Kinder“ Gottes seien. Das ist nicht so. „Kind“ Gottes ist wer Christus heiratet, wer Christus annimmt, sich im Namen Christi taufen lässt, sich mit Christus und Maria vereint (Joh 1,12; Gal 3,26-27). Das ist die Treue Marias, die unsere Treue in diesen harten und schwierigen Zeiten sein muss. Und wir müssen an der einzigen Lehre festhalten, die rettet: Christus.
Und so sollen wir zusammen mit der Tugend der Treue auch die Tugend der Demut verkörpern, die Grundlage und das Fundament für jeden Christen, für jedes Kind Christi und Marias. Wir müssen jene heilige Kraft derer verkörpern, die niemals den Mut verlieren, die sich niemals entmutigen lassen. Und so müssen wir die Sanftmut betrachten und verkörpern, die in Maria lebendig ist und die in allen Kindern Marias lebendig sein soll, insbesondere in denen, die Mägde Marias sein wollen, um jene Sanftmut und Einfalt zu zeigen, die jede Bosheit und jede unheilige Überschwänglichkeit, jede Schamlosigkeit vertreibt.
Auf diese Weise werden wir heute die Tugenden Marias in jedem von uns wiederbeleben, um heute wahre Männer und vor allem wahre Frauen zu sein, damit die Frau, wenn sie auf Maria schaut, wieder zum Mittelpunkt des Alltags und des Lebens der Kirche werden kann.
Diejenige, die heilig sein will, schaue auf Maria, um ihre Tugenden in ihrer Gesamtheit nachzuahmen und so vom Vater erhöht zu werden, wie der Vater es mit der Allerheiligsten Jungfrau Maria getan hat (Lk 1,48b).
Das ist die Lehre, die wir heute an diesem Festtag in dieser Frau neu erleben, damit wir gemeinsam Maria betrachten, sie in ihrer Gesamtheit nachahmen und ihre Tugenden in ihrer Fülle verkörpern können. Und so sei es.